Krisen als Chance: Warum Vermögen oft in Krisen entstehen
Wer an der Börse langfristig erfolgreich sein möchte, muss eine wichtige Erkenntnis verstehen: Die größten Vermögen entstehen selten in Boomzeiten. Sie werden meist in Krisen aufgebaut.
Wenn die Medien täglich über steigende Kurse berichten und Bekannte von ihren Gewinnen erzählen, ist der größte Teil der Kursentwicklung häufig bereits gelaufen. Viele Anleger steigen erst dann ein, wenn ein Markt bereits stark gestiegen ist. Sie kaufen zu Preisen, die frühere Investoren deutlich günstiger erhalten haben.
Warum die ersten Investoren die größten Gewinne erzielen
An den Finanzmärkten gilt ein einfaches Prinzip: Für jeden Käufer braucht es einen Verkäufer. Die attraktivsten Kaufgelegenheiten entstehen häufig dann, wenn nur wenige Marktteilnehmer die Chancen erkennen.
Steigen die Kurse, werden immer mehr Anleger aufmerksam. Die Nachfrage nimmt zu und treibt die Preise weiter nach oben. Irgendwann ist jedoch ein Punkt erreicht, an dem mehr Investoren verkaufen als kaufen möchten. Um neue Käufer anzulocken, müssen die Preise wieder sinken.
Die frühen Investoren profitieren dabei von den Kurssteigerungen, während spätere Käufer häufig einen großen Teil der Rendite finanzieren. Nicht umsonst lautet eine bekannte Börsenweisheit:
„Das Geld ist nicht weg – es hat nur jemand anderes.“
Echte Vermögensbildung entsteht oft in Krisenzeiten
Während einzelne Unternehmen auch in normalen Marktphasen starke Wertsteigerungen erzielen können, entstehen außergewöhnliche Vermögenszuwächse häufig in Krisen.
Der Grund dafür ist einfach: Krisen betreffen nicht nur einzelne Aktien oder Branchen, sondern oftmals ganze Märkte oder sogar komplette Anlageklassen. Dadurch entstehen Situationen, in denen Vermögenswerte deutlich unter ihrem langfristigen Wert gehandelt werden.
Wer in solchen Phasen liquide bleibt, Chancen erkennt und einen klaren Plan verfolgt, kann von späteren Erholungen besonders profitieren.
Leben wir aktuell in einer Krisenzeit?
Viele wirtschaftliche Entwicklungen sprechen absolut dafür.
Weltweit sorgen geopolitische Konflikte, hohe Staatsverschuldungen und wirtschaftliche Unsicherheiten für Nervosität an den Märkten. Gleichzeitig stehen zahlreiche Volkswirtschaften vor erheblichen Herausforderungen.
In den USA wächst die Staatsverschuldung seit Jahren kontinuierlich. Gleichzeitig steigen die Finanzierungskosten, da neue Schulden zu höheren Zinsen aufgenommen werden müssen. Auch viele private Haushalte kämpfen mit steigenden Belastungen und hohen Kreditverpflichtungen.
Hinzu kommen Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen Geldpolitik. Zinssenkungen könnten kurzfristig Entlastung schaffen, bergen jedoch gleichzeitig Inflationsrisiken.
Die Situation in Japan zeigt die Komplexität der Märkte
Besonders interessant ist derzeit die Entwicklung in Japan.
Über viele Jahre herrschte dort eine Deflation. Die Preise stagnierten oder fielen sogar, wodurch Investitionen häufig aufgeschoben wurden. Entsprechend niedrig waren die Zinsen – bei null oder sogar nur noch ein Viertel Prozent.
Inzwischen verändern sich die Rahmenbedingungen. Steigende Energiekosten und zunehmender Inflationsdruck führen dazu, dass die japanische Notenbank ihre Politik anpassen muss. Höhere Zinsen haben jedoch weitreichende Folgen: Bestehende Anleihen mit niedrigen Zinssätzen verlieren an Attraktivität und damit an Wert.
Zusätzlich gerät ein beliebtes Finanzierungsmodell unter Druck. Über viele Jahre konnten Investoren nahezu zinsfreie Kredite in japanischen Yen aufnehmen und das Kapital in höher verzinsten Märkten wie den USA investieren.
Ganz schlaue Bankinstitute haben daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. Sie vermittelten Kredite in Yen zu nahezu 0 % Zinsen und legten das Geld anschließend zu rund 3 % in den USA an.
Jetzt sind zwei Dinge gleichzeitig passiert: Die Zinsen in Japan steigen, wodurch der Zinsvorteil gegenüber den USA deutlich kleiner wird. Gleichzeitig hat der Yen gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. Für Investoren bedeutet das, dass die Rückzahlung der aufgenommenen Yen-Kredite deutlich teurer werden kann. Es geht dabei um hohe dreistellige Milliardenbeträge, deren Gewinne förmlich wie Eis in der Sonne schmelzen.
Chancen erkennen statt Angst haben
Krisen erzeugen Unsicherheit. Genau deshalb entstehen in diesen Phasen oft die interessantesten Investitionsmöglichkeiten.
Wer ausschließlich auf Schlagzeilen reagiert, handelt meist zu spät. Erfolgreiche Investoren konzentrieren sich stattdessen auf Märkte und Anlageklassen, deren langfristige Fundamentaldaten sie verstehen.
Ein Beispiel dafür sind Rohstoffe mit begrenztem Angebot und steigender Nachfrage. Silber wird in zahlreichen Zukunftstechnologien eingesetzt, während die Förderung nur begrenzt ausgeweitet werden kann. Solche strukturellen Entwicklungen können langfristig interessante Chancen bieten – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.
Fazit
Krisen fühlen sich selten angenehm an. Sie schaffen jedoch häufig die Voraussetzungen für außergewöhnliche Vermögensbildung.
Wer liquide bleibt, Chancen erkennt und langfristig denkt, kann von den Fehlbewertungen profitieren, die in unsicheren Zeiten entstehen. Nicht die allgemeine Euphorie an den Märkten schafft die größten Chancen, sondern oft die Phasen, in denen viele Anleger Angst haben.
Oder anders formuliert:
In Krisenzeiten gilt mehr denn je: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.
