BRICS-Konferenz in Südafrika – Kommt die Goldwährung?

Die BRICS-Staaten könnten schon bald eine eigene goldgedeckte Währung ins Leben rufen. Das erwarten bereits viele, auch ich. Doch wie realistisch ist das?!

Neben China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika werden zum 01.01.2024 die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Iran, Ägypten, Argentinien und Äthiopien als neue Mitglieder in die BRICS-Staaten aufgenommen. Das bedeutet, dass 40 % der weltweiten Ölreserven in einem Bündnis gegen die USA stehen.

Als Reservewährung ist der Dollar schon länger auf dem Rückzug: Statt über 70 Prozent wie noch im Jahr 2000 macht er heute nur noch 58 Prozent der Devisenreserven ausländischer Zentralbanken aus. Zwar ist der Greenback nicht zuletzt aufgrund der Dominanz der US-Finanzmärkte nach wie vor die klare Weltleitwährung, aber im Welthandel ist bereits eine gewisse Abkehr der Länder des globalen Südens vom US-Dollar zu beobachten. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch das „Einfrieren“ der russischen Dollar-Devisenreserven – ein Akt, der das Vertrauen in die Leitwährung nachhaltig schädigt und Bestrebungen zur Währungsdiversifizierung ausgelöst hat. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Ankündigung Saudi-Arabiens, seine Ölexporte nach China künftig nur noch in Yuan abzurechnen.

 

Die Trümpfe des globalen Südens

Eine eigene BRICS-Handelswährung wäre von enormer Tragweite. Die Gründungsnationen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sind fünf der wichtigsten Schwellenländer außerhalb Südostasiens. Mit dem bevorstehenden Beitritt von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Iran, Argentinien, Ägypten und Äthiopien wird das erweiterte BRICS-Bündnis ein noch größeres wirtschaftliches Gewicht haben als bisher. Es repräsentiert dann 47 Prozent der Weltbevölkerung und 37 Prozent der Weltwirtschaftsleistung in Kaufkraftparitäten. Längst hat man auch eigene Strukturen wie die „New Development Bank“ geschaffen.

Nicht zu vergessen: Der neue BRICS-Block ist eine absolute Rohstoffmacht. Durch die Aufnahme des Irans und der beiden größten Golfstaaten vereint der Staatenbund nun den Löwenanteil der weltweiten Öl- und Gasversorgung. Auch Russland, China und Brasilien sind wichtige Fördernationen. Zudem sind mit Brasilien, Indien, China, Russland und Argentinien nun fünf der größten Getreideproduzenten dabei. Und allein das Reich der Mitte dominiert den Abbau von Kupfer, Kobalt, Lithium und seltenen Erden.

Vor dem Gipfel hatten fast 40 weitere Länder ihr Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet. Würden alle diese Länder aufgenommen, hätte dieser riesige BRICS-Block mehr Goldreserven als die USA. Die BRICS-Staaten haben in den vergangenen Monaten massiv Gold gekauft. Allen voran China.

Die Frage ist, wie die BRICS-Staaten einen neuen Goldstandard gegen diesen riesigen Goldbestand der USA (wenn es ihn denn wirklich gibt, denn er wurde seit über 50 Jahren nicht mehr gezählt) etablieren wollen. Mit der Einführung einer eigenen goldgedeckten Handelswährung würde man vor allem den Dollar angreifen wollen, aber hier sind die USA in einer komfortablen Situation. Am wahrscheinlichsten ist, dass die BRICS-Staaten Gold auf dem freien Markt kaufen, um einen halbwegs glaubwürdigen Goldstandard zu etablieren. Dies würde den Goldpreis in die Höhe treiben und die Goldreserven der USA deutlich aufwerten.

 

Ein mögliches neues Goldhandelsregime

Bräuchten die BRICS-Staaten überhaupt mehr Goldreserven, als sie ohnehin schon halten? Der Bankenexperte Markus Krall verneint und erklärt dies wie folgt: Durch den Handelsbilanzüberschuss der fünf Gründerstaaten von umgerechnet rund 900 Milliarden Dollar – der übrigens vor allem auf das Konto Chinas geht – müssten die BRICS-Mitglieder nur verlangen, dass ihre Exporte in Goldwährung bezahlt werden. Aus dem Überschuss würden beim aktuellen Goldpreis netto rund 14.000 Tonnen Gold nach China, Russland und Co. fließen. Markus Krall hält es für plausibler, dass ein solches Handelsregime schrittweise eingeführt wird (erst etwa für 20 Prozent der Exporte und dann schrittweise mehr), weil vor allem die Chinesen ansonsten ihre Exportwirtschaft zu stark gefährden würden. In der Folge würde sich der Goldpreis laut Krall verzehnfachen und die BRICS-Handelswährung zur neuen Weltleitwährung aufsteigen.

Eine reine Handelswährung hätte auch negative Effekte, da die ungedeckten Papierwährungen etwas an Bedeutung verlieren würden. Nicht genau plan- und steuerbaren wirtschaftlichen Folgeeffekten dürften vor allem der chinesischen Führung ein Dorn im Auge sein. Zudem sind die politischen Konfliktpotenziale innerhalb des Bündnisses zwischen dem großen Defizitland Indien und dem großen Überschussland China durchaus bedrohlich. Die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Welt sind Partner und Kontrahenten zugleich und befinden sich schon jetzt in ständigen Handels- und Grenzstreitigkeiten. Ob eine gemeinsame Handelswährung eher verbindend oder spaltend wirken würde, ist unklar.

Im Zentrum könnte die Gründung einer BRICS-Bank stehen, die zunächst durch Goldeinlagen der BRICS-Zentralbanken kapitalisiert wird. „Die BRICS-Bank könnte daraufhin Kredite gewähren in BRICS-Gold (etwa an Exporteure aus dem eigenen Länderkreis beziehungsweise an Güterimporteure aus dem Ausland). Nachfolgend kann die BRICS-Bank auch weitere Goldeinlagen entgegennehmen von internationalen Investoren, die auf diesem Wege BRICS-Gold-Depositen beziehungsweise Anleihen halten, die die BRICS-Bank ausgibt, um ihr Kreditgeschäft zu finanzieren.“ Vor allem die Golfstaaten dürften sich darüber freuen. Sie haben erst vor rund 15 Jahren ihre Liebe zum Gold entdeckt und könnten nach und nach ihre Dollarreserven abbauen und ihre Goldreserven weiter ausbauen.

Bis die entsprechenden Verträge abgeschlossen und die notwendige Zahlungsinfrastruktur aufgebaut wäre, würden Jahre vergehen. Und selbst dann bliebe die Vertrauensfrage. Der US-Dollar ist seit einem Jahrhundert etabliert und mit massiven Netzwerkeffekten verbunden, während die BRICS-Währung bei Null anfängt. Der chinesische Kapitalmarkt ist trotz Lockerungen nach wie vor teilweise abgeschottet, der Yuan nicht vollständig frei konvertierbar und der inländische Anleihemarkt bei weitem nicht so entwickelt und liquide wie in den USA. Wie viel Vertrauen hat der Markt tatsächlich in China, Russland, Indien oder Saudi-Arabien, insbesondere in Bezug auf wichtige Rahmenbedingungen wie Vermögensschutz und unternehmerische Freiheit?

 

Kommt stattdessen eine Rohstoffwährung? 

Das Dollar-dominierte Geldsystem hat die Weltwirtschaft in Zeiten von Globalisierung und Industrie 3.0 trotz aller Schuldenprobleme finanziert. Aber es war nicht dafür gemacht, in einer multipolaren Weltordnung zu funktionieren. Die Hegemonie des Dollars ist eindeutig vorbei. Allerdings spricht vieles dagegen, dass – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt und in absehbarer Zeit – eine neue BRICS-Goldwährung als konkurrierende Handelswährung entstehen wird.

Realistischer erscheint eine gemeinsame Handelswährung, die durch einen ganzen Korb von Rohstoffen (Edelmetalle, Getreide, Metalle) gedeckt ist. Wie oben ausgeführt, könnte der erweiterte BRICS-Block in Zukunft den Rohstoffmarkt dominieren. Wenn alle Mitglieder an einem Strang ziehen und die finanzielle Infrastruktur so weit ist, könnte man es sich perspektivisch vielleicht leisten, Zahlungen in Dollar einfach zu verweigern. Die USA könnten allerdings durch ihren starken Binnenmarkt einen Teil der negativen Folgen abfedern.

Auf der letzten Konferenz in Jackson Hole hat die Fed beschlossen, die Zinsen in den USA im September noch einmal anzuheben, zwar nur um 0,25%, aber es geht weiter nach oben.

Die großen Unternehmen sind alle in Dollar verschuldet, d.h. der Schuldendienst wird immer teurer. Die USA glauben, anderen damit mehr zu schaden als dem eigenen Land.

Es bleibt also spannend an der Währungsfront. Ich persönlich sichere mich lieber mit Gold und Silber ab. Denn Papier ist bekanntlich geduldig.

 

Besuch im Silberbergwerk: Eine Reise in die Geschichte des Wertes

Ein verregneter Tag im Urlaub kann manchmal zu unerwarteten Entdeckungen führen. So erging es meiner Frau und mir kürzlich in Tirol, als wir uns auf Grund des nicht aufhörenden Regens entschieden, ein Silberbergwerk in der Nähe von Schwaz zu besuchen. Da ich mich beruflich mit Silber beschäftige, war meine Neugierde natürlich sofort geweckt. Was wir dort erfahren haben, hat uns nicht nur über die faszinierende Geschichte des Edelmetalls aufgeklärt, sondern auch über die Macht und den Einfluss, den es über die Jahrhunderte hinweg hatte.

 

Mit einer Gruppe von ca. 18 anderen Personen sind wir mittels einer Grubenbahn in die Tiefe des Bergwerks gefahren – etwa 800 Meter hinab. Dort eröffnete sich uns eine Welt aus engen Gängen und dunklen Höhlen. Die gesamte Länge dieser Gänge beträgt erstaunliche 500 Kilometer, und die Bauzeit erstreckte sich über 26 Jahre. Doch die eigentliche Sensation war ein riesiges Holzrad mit einem Durchmesser von 10 Metern, das in 22 Jahren Bauzeit gefertigt wurde und Millionen Liter Wasser nach oben befördern konnte. Diese Technik war notwendig, um den Herausforderungen des Bergbaus in großen Tiefen gerecht zu werden.

 

Die Geschichte des Bergwerks reicht weit zurück in das Mittelalter. In der Blütezeit des Silberbergbaus um 1500 war Schwaz das Montanzentrum Europas. Ganze 85% des weltweit produzierten Silbers stammten aus dieser Stadt, was sie zu einem der reichsten Orte Europas machte. Die reichen Handelsfamilien, die aus diesem Silber ihren Einfluss schöpften, hatten sogar maßgeblichen Einfluss auf die Politik Europas und die Entdeckungen der Neuen Welt.

 

Während des 15. und 16. Jahrhunderts war Schwaz die größte Bergbaumetropole Mitteleuropas und zählte mit 20.000 Einwohnern nach Wien zu den größten Ortschaften im Habsburgerreich. Die Menge von 15,7 Tonnen Brandsilber, die im Jahr 1523 gefördert wurde, machte zu dieser Zeit 85% des weltweit geförderten Silbers aus. Die Besonderheit des geförderten Fahlerzes führte dazu, dass auch eine große Menge an Kupfer gewonnen wurde, das frei auf dem Markt verkauft werden konnte. Diese Faktoren trugen dazu bei, dass die anfänglich einheimischen Gewerken nach und nach von finanzkräftigen ausländischen Handelsfamilien abgelöst wurden, darunter die berühmten Fugger und Manlich aus Augsburg.

 

So wurde aus Silber Geld 

Der Silberbergbau hatte nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen, sondern prägte auch die Währungsgeschichte. Der „Taler“, der im Haller Münzamt geprägt wurde, wurde zu einer der ersten hochwertigen Silbermünzen und fand als Währung in ganz Europa Verwendung. Die Bezeichnung „Taler“ leitet sich vom Ort Joachimstal ab, wo die Grafen von Schlick diese Münzen prägten. Diese Münze lebt heute noch in Form des Dollars fort – ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Werte und Währungen im Laufe der Zeit transformieren können. Ich selbst durfte einen Taler aus 999,7 / 1000 Anteilen Silber in dem Silberbergwerk schlagen (siehe Bild der Münze und das Zertifikat).

Zertifikat Schwazer Silberbergwerks TalerSchwazer Silberbergwerks Taler

Besuch im Silberbergwerk Schwaz

 

 

 

 

 

 

Persönlich habe ich viel aus diesem Besuch mitgenommen. Silber ist seit Jahrhunderten ein begehrtes Tauschmittel und die „Eliten“ schaffen sich damit nach wie vor Macht und Einfluss. Heutzutage mag der Wandel von Gold- und Silbermünzen zu Papiergeld und digitalen Währungen das Spiel verändert haben, doch der Kern bleibt derselbe: Werte werden von vielen kleinen Taschen in die wenigen großen verschoben.

 

Heute müssen wir nicht mehr tief in ein Bergwerk hinabsteigen, um Silber zu besitzen. Wir können physischem Silber und Gold einfach erwerben. Dadurch haben wir die Möglichkeit, uns außerhalb des Papiergeldsystems abzusichern. Es gab schon viele Geldsysteme, aber immer nur eine Art von Gold und Silber. Während die Menschen in der Region Tirol nur wenig über ihre glorreiche Silbervergangenheit wissen (gewollt), bleibt die Tatsache bestehen, dass Silber über die Jahrhunderte hinweg einen immensen Einfluss auf die Wirtschaft und die Finanzwelt hatte und hat.