Silbercrash am 5. Februar: Marktmechanik oder Manipulation?
In den frühen Morgenstunden des 5. Februar 2026 erlebte der Silbermarkt eine extreme Preisbewegung: Gegen 3:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit fiel der Preis innerhalb kurzer Zeit von rund 92 US-Dollar auf etwa 75 US-Dollar je Unze – ein Minus von rund 18 Prozent.
Solche abrupten Bewegungen werfen Fragen auf. Warum geschieht so etwas in einer Phase mit vergleichsweise dünnem Handelsvolumen? Welche Rolle spielen Terminmärkte? Und was bedeutet das für langfristig orientierte Anleger?
Warum starke Bewegungen häufig nachts stattfinden – und wem das nutzt
Auffällig ist: Massive Preisrückgänge bei Silber ereignen sich überdurchschnittlich oft genau dann, wenn das Handelsvolumen am niedrigsten ist – also in den frühen Morgenstunden europäischer Zeit oder rund um die Eröffnung der US-Terminbörse an der COMEX. Warum ist das relevant?
In Phasen dünner Liquidität reichen vergleichsweise wenige große Verkaufsorders, um den Preis stark zu bewegen. Wer in solchen Zeitfenstern große Short-Positionen (Verkaufspositionen) in den Markt gibt, kann überproportionale Kursreaktionen auslösen.
Das Muster sieht häufig so aus:
- Massive Verkaufsorders im Futures-Markt drücken den Preis abrupt nach unten.
- Stop-Loss-Marken privater und institutioneller Long-Investoren werden ausgelöst.
- Gehebelte Marktteilnehmer geraten durch Margin Calls unter Druck und müssen liquidieren.
- Der Abwärtsimpuls verstärkt sich selbst.
In der Vergangenheit standen große Investmentbanken – darunter auch JPMorgan Chase – mehrfach im Fokus regulatorischer Untersuchungen wegen problematischer Handelspraktiken im Edelmetallbereich.
Der entscheidende Punkt:
Wer über ausreichend Kapital, Marktanteil und Geschwindigkeit verfügt, kann solche Liquiditätsfenster strategisch nutzen. Werden Kurse künstlich unter Druck gesetzt, können zuvor aufgebaute Short-Positionen günstiger zurückgekauft werden.
Für stark gehebelte Privatanleger hingegen bedeuten solche Bewegungen oft empfindliche Verluste – nicht selten innerhalb weniger Stunden.
Ob jede einzelne Bewegung gezielt herbeigeführt wird, lässt sich nicht pauschal beweisen. Fest steht jedoch:
Das Zusammenspiel aus Terminmarkt-Struktur, Margin-System und dünner Liquidität schafft ein Umfeld, in dem große Marktteilnehmer strukturelle Vorteile besitzen.
Und genau deshalb wiederholen sich diese nächtlichen Kursstürze auffällig oft in denselben Zeitfenstern.
Der 5. Februar: Was ist passiert?
Um 3:00 Uhr notierte Silber noch stabil rund 92 US-Dollar je Unze. Es gab keine außergewöhnlichen Nachrichten, keine geopolitische Eskalation, keine fundamentalen Schocks. Und dann kam der Einbruch.
Innerhalb weniger Stunden fiel der Preis auf etwa 75 US-Dollar – ein Minus von rund 18 Prozent. Und das bei extrem dünnem Handelsvolumen. Nur wenige tausend Futures-Kontrakte reichten aus, um den Markt massiv nach unten zu drücken.
Wer verkauft in dieser Größenordnung mitten in der Nacht – und warum?
Auffällige Marktmechanik
Berichte aus dem asiatischen Handel – unter anderem aus Shanghai – deuteten zeitgleich auf ungewöhnliche Handelsaktivitäten hin. Mehrere Account-Gruppen sollen auffällig hohe Volumina bewegt haben. Gleichzeitig kam es zu erhöhten Sicherungsanforderungen (Margins), was gehebelte Marktteilnehmer zusätzlich unter Druck setzte.
Das Muster ist bekannt:
- Große Short-Positionen treffen auf dünne Liquidität.
- Der Preis rutscht schnell und stark ab.
- Stop-Loss-Orders werden ausgelöst.
- Gehebelte Long-Positionen müssen liquidiert werden.
- Der Verkaufsdruck verstärkt sich selbst.
Solche Kettenreaktionen sind kein Zufall – sie sind strukturell im Terminmarkt angelegt. An der COMEX werden überwiegend Papierkontrakte gehandelt, nicht physische Ware. Wer dort mit erheblichem Kapital agiert, kann in schwachen Marktphasen überproportionale Effekte erzeugen.
In sozialen Netzwerken wurde zeitgleich diskutiert, dass große Marktteilnehmer – darunter erneut JPMorgan – genau in dieser Phase signifikante Mengen im Bereich um 78 Dollar eingesammelt haben sollen. Offizielle Bestätigungen dafür gibt es nicht, doch das Timing sorgte für erheblichen Unmut in der Community.
Papierpreis vs. physische Realität
Während der Terminmarktpreis massiv einbrach, berichteten Händler in Asien von deutlich höheren physischen Prämien. Teilweise lagen diese weit über dem Futures-Preis.
Diese Diskrepanz wirft Fragen auf:
- Spiegelt der Papiermarkt tatsächlich die physische Angebotslage wider?
- Oder wird der Preis kurzfristig stärker durch Terminmarkt-Strukturen als durch reale Knappheit bestimmt?
Silber ist längst nicht mehr nur ein Edelmetall zur Wertaufbewahrung. Die industrielle Nachfrage – etwa in der Solarindustrie, Elektromobilität und Hightech-Produktion – wächst strukturell. Gleichzeitig sind Lagerbestände begrenzt.
Wenn der Terminmarktpreis stark fällt, während physische Ware knapp und teuer bleibt, entsteht ein Spannungsfeld, das langfristig kaum stabil bleiben kann.
Hexensabbat am 27. März 2026
Am 27.03.2026 steht der nächste große Verfallstermin („Hexensabbat“) an. Offene Optionen und Futures müssen dann glattgestellt oder erfüllt werden.
Die registrierten Silberbestände an der COMEX liegen Berichten zufolge bei rund 100 Millionen Unzen. Theoretisch könnten jedoch bis zu 400 Millionen Unzen aus offenen Kontrakten abgefordert werden. Sollte es zu erhöhten physischen Abforderungen kommen, würde sich zeigen, wie belastbar das System tatsächlich ist.
Ein Vertrauensverlust in die Terminmarktstruktur könnte erhebliche Dynamik entfalten – nicht nur bei Silber, sondern auch bei Gold, Platin und Palladium.
Weckruf oder Übertreibung?
Der 5. Februar war mehr als nur ein volatiler Handelstag. Er war ein Beispiel dafür, wie empfindlich der Silberpreis auf gezielte oder zumindest konzentrierte Marktbewegungen in illiquiden Phasen reagiert.
Ob man dies als bewusste Preissteuerung oder als aggressive Ausnutzung von Marktmechanik bezeichnet, ist letztlich eine Frage der Perspektive.
Unsere Haltung bei FAIRMASTER konzept bleibt klar:
Wir geben keine physische Unze aus der Hand und lassen uns von kurzfristigen Preisattacken nicht aus der Ruhe bringen. Am Ende setzt sich nicht der Terminhandel durch – sondern Angebot und Nachfrage im realen Markt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Marktanalyse und stellt keine Anlageberatung dar.


