Wann kommt der Silbercrash?

„Silber steigt und steigt – wann kommt der Crash?“

Diese Frage begegnet Anlegern aktuell immer häufiger. Stark steigende Preise gelten in vielen Köpfen automatisch als Zeichen einer Überhitzung. Die Logik dahinter: Wo eine Blase entsteht, folgt früher oder später der deutliche Rücksetzer. So wurde es über Jahrzehnte gelehrt – und so wird es auch heute noch gern pauschal behauptet.

Doch muss man bei Silber wirklich vorsichtig sein? Oder greift dieses Denkmuster zu kurz?

Papiermarkt statt realer Wert

Um die aktuelle Situation einzuordnen, lohnt sich ein Blick zurück. Seit 1971, als US-Präsident Richard Nixon die Gold-Dollar-Bindung aufhob, wurde der Rohstoffmarkt zunehmend zu einem Papiermarkt. Mit dieser Entscheidung wurde „Tür und Tor geöffnet“ für eine massive Ausweitung von Schulden und ungedeckten Geldmengen.

Silber spielte in diesem System über Jahrzehnte eine besondere Rolle. Der Markt wurde stark von Papierkontrakten dominiert, der Preis wiederholt unter Druck gehalten und manipuliert. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht die Dimension: Würde man den Silberpreis allein an der US-Inflation ausrichten, müsste eine Unze heute bei rund 917 US-Dollar notieren.

Industriehunger trifft auf knappe Ressourcen

Gleichzeitig wächst die reale Nachfrage stetig. Silber ist längst nicht mehr nur ein Edelmetall, sondern ein unverzichtbarer Industriemetallrohstoff. Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich der Energiewende:
Jedes Solarpanel benötigt mindestens 10 Gramm Silber. Allein im Jahr 2022 wurden weltweit rund 1,5 Milliarden Solarpanels produziert – das entspricht etwa 482 Millionen Unzen Silber. Zusammen mit weiteren industriellen Anwendungen führte dies zu einem Marktdefizit von rund 250 Millionen Unzen.

Seit Jahren gilt: Es wird mehr Silber verbraucht als gefördert.

Angebot und Nachfrage laufen auseinander

Das Fazit ist eindeutig: Silber ist ein stark nachgefragter Rohstoff, bei dem sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage immer weiter öffnet. Natürlich wird es zwischendurch Korrekturen geben – Gewinnmitnahmen gehören zum Marktgeschehen. Doch während kurzfristig orientierte Anleger verkaufen, bleiben Investoren mit Weitsicht und langem Atem investiert. Denn sie wissen: Papierwährungen verlieren kontinuierlich an Kaufkraft. Physische Werte nicht.

Aktuelle Lage: Investoren wollen Silber – kein Papier

Ein Blick auf die Terminmärkte unterstreicht diese Entwicklung. Kurzfristige Silberlieferungen an der US-Terminbörse COMEX senden derzeit deutliche Alarmsignale. Marktteilnehmer bestehen zunehmend auf physische Auslieferung statt auf die Verlängerung von Papierkontrakten.

Beobachter sprechen von einem Vertrauensbruch im papierbasierten Silberhandel.

Zusätzliche Brisanz erhielt die Lage, als ein hochrangiger COMEX-Mitarbeiter vor einem US-Senatsausschuss einräumen musste, dass Lagerbestandszahlen „geschönt“ dargestellt wurden. Das Vertrauen in die tatsächliche physische Verfügbarkeit bekommt dadurch weitere Risse.

London als Auslöser der Entwicklung

Nach Einschätzung des US-Analysten David Jensen liegt der Ursprung der aktuellen Spannungen in London. Der London Silver Market, weltweit zentral für Preisbildung und Abwicklung, zeigte im Jahr 2025 wiederholt Liefer- und Abwicklungsprobleme.

Laut Jensen stehen den enormen sofort fälligen Lieferansprüchen kaum physische Bestände gegenüber. Sinngemäß formuliert: London hält im Verhältnis zu den verkauften Ansprüchen „nahezu kein Silber“. Diese Erkenntnis veranlasst immer mehr Investoren, Papierforderungen aufzulösen und reales Metall zu sichern.

Physische Lieferung statt Verlängerung

Am 7. Januar 2026 erreichte diese Entwicklung offenbar auch New York. An der COMEX wurden 1.624 Silberkontrakte zur Lieferung angemeldet – rund 8,1 Millionen Unzen. Bemerkenswert: Rund 99 % der Auslieferungen sollen von JP Morgan erfolgt sein. Für einen traditionell ruhigen Liefermonat wie Januar ist dieses Volumen außergewöhnlich hoch.

Noch auffälliger ist, dass trotz dieser Auslieferungen das offene Interesse weiter anstieg. Der Januar-Kontrakt legte um 1.431 Kontrakte zu, der Februar sogar um 1.564. Neue Marktteilnehmer scheinen gezielt in den Terminmarkt zu gehen, um physische Lieferung zu erzwingen. Die COMEX wird zunehmend als Beschaffungsmarkt genutzt – nicht mehr primär als Absicherungsinstrument.

Begrenzte Bestände, wachsender Druck

Besonders kritisch wirkt die Situation vor dem Hintergrund der verfügbaren Lagerbestände. In der für Lieferungen relevanten „Registered“-Kategorie der COMEX befinden sich aktuell nur rund 127 Millionen Unzen Silber. Angesichts der globalen Papieransprüche ist diese Menge überschaubar.

Parallel steigen in mehreren Regionen außerhalb Londons die Lieferprämien – ein klassisches Zeichen für physische Knappheit.

Ob daraus ein offener Run auf Silber entsteht, bleibt offen. Doch eines wird immer deutlicher: Der Markt beginnt, die Grenze zwischen Papier und physischem Metall neu zu bewerten.

Greifen Sie nicht ins Leere

Laienhaft formuliert:
Wer dauerhaft mehr aus dem Portemonnaie nimmt, als nachkommt, greift irgendwann ins Leere.

Beim Silbermarkt scheint genau dieser Punkt näher zu rücken. Für einen Rohstoff, der für Industrie, Technologie und Energiewende unverzichtbar ist, hat diese Entwicklung erhebliche wirtschaftliche Bedeutung.

Greifen Sie nicht ins Leere – sichern Sie sich jetzt noch reale Silberbestände.